Was bringt mir die AVWF-Methode?
Das Problem: Reizüberflutung in Beruf und Alltag
Nutzen Sie die drei Säulen einer erfolgreichen Regeneration:Neurobiologie – Medizin – Psychologie
Tagtäglich laufen Millionen Vorgänge in unserem Organismus ab. Informationen laufen von den Organen zum Gehirn und wieder zurück.
Stetig nimmt der Organismus hierbei Risikobewertungen vor, um sich bei Bedarf selbst schützen zu können.
Erleiden wir beispielsweise einen Unfall, dann sorgt der Organismus über eine Verlangsamung der Hirnrinde (die in akuten Fällen zur Bewusstlosigkeit führt) möglichst schnell dafür, dass wir nicht mehr soviel Energie verbrauchen. Er sichert somit sein Überleben. Im Nachhinein haben wir deshalb oft nur bruchstückhafte bis gar keine Erinnerungen mehr an das Geschehen. Nach besonders traumatischen Erlebnissen kann die Verlangsamung der Großhirnrinde sogar dauerhaft bestehen bleiben, was je nach betroffenem Bereich zu verschiedenen Symptomen führen kann.
Ähnliches passiert auch beim Blackout, dass sicher jeder schon einmal erlebt hat. Vor der Prüfungssituation haben Sie noch Zugriff auf alle relevanten Informationen.
Was ist AVWF® ?
Mit der Audiovisuellen Wahrnehmungsförderung (kurz: AVWF®) können bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Lern- und Aufnahmefähigkeit, Motorik sowie mentale und körperliche Leistungsfähigkeit verbessert werden. Dazu werden Schallwellen in einem Musikstück derart moduliert, dass sie über in der Mittelohrmuskulatur gelegene Nervenfasern das autonome Nervensystem stimulieren und wieder in Balance bringen.
Schon nach wenigen Trainingseinheiten stellen sich in der Regel die ersten Erfolge ein, da durch die über Kopfhörer dargebotene und wahrgenommene schallmodulierte Musik im Unterbewusstsein bereits vorhandene biogenetische Muster wieder neu stimuliert werden.
Die positive Beeinflussung des autonomen Nervensystems wirkt sich auch auf das Lernvermögen aus: Ohne aktives Üben erhöht sich die Geschwindigkeit, mit der Informationen im Gehirn verarbeitet werden können. Das Gehirn wird schneller und so auch die Leistungsfähigkeit des Organismus erhöht.
Theoretischer Hintergrund
Um die Wirkweise der AVWF® besser verstehen zu können, ist ein kurzer Exkurs zur Entwicklung des autonomen und zentralen Nervensystems nötig.
Paul D. MacLean (1990) geht davon aus, dass sich unser Gehirn stufenförmig entwickelt hat. Man könnte es sich vereinfacht als eine Art „Gehirngebäude“ mit verschiedenen Verarbeitungsteams vorstellen.
Abbildung 1: Vereinfachte schematische Darstellung der verschiedenen evolutionär geformten Regulationsebenen im Gehirn.
Der entwicklungsgeschichtlich älteste Gehirnteil, der sogenannte Hirnstamm, befindet sich im Erdgeschoss unseres Gehirngebäudes. Er regelt über reflexiv gesteuerte neuronale Kreisläufe unsere fundamentalen Grundüberlebensinstinkte.
Erst mithilfe des später entwickelten Limbischen Systems (1. Etage unseres Denkgebäudes) wurden Lebewesen in die Lage versetzt, Informationen aus der Umwelt mit Informationen aus der Innenwelt zu verbinden. Dies bildet die Basis für emotionales Erleben und ermöglicht begrenzt ein erstes Entscheidungsverhalten.
Den stammesgeschichtlich jüngsten Teil, bildlich gesehen die Chefetage, bildet die Großhirnrinde (Cortex). Diese ermöglicht uns die bewusste Verarbeitung von Sinnesreizen, also all jene Prozesse, welche den Menschen als solchen auszeichnen (Denken, Planen, Entscheiden etc.). Darüberhinaus weist die Großhirnrinde starke Verbindungen sowohl zum limbischen System als auch zum Hirnstamm auf, was für die Reizverarbeitung von zentraler
Bedeutung ist.
Um mit den komplexen Anforderungen unserer Lebenswelt zurechtzukommen, ist es besonders wichtig, dass die drei weitestgehend unabhängig nebeneinander existierenden Anteile mit ihren spezifi schen Funktionsweisen harmonisch zusammenarbeiten.
Polyvagale Theorie
Auch unser autonomes Nervensystem, welches über Rückkopplungsschleifen lebenswichtige Körperfunktionen wie u.a. Atmung und Herzschlag reguliert, hat sich phylogenetisch stufenweise entwickelt. Stephen Porges geht dabei von einer Zweiteilung des Nervus Vagus (10. Hirnnerv) aus und weist in seiner polyvagalen Theorie (1995/2001) auf dessen immense Bedeutung innerhalb der parasympathischen Regulierung unseres Nervensystems und damit
auch unseres Verhaltens hin. So unterscheidet er drei getrennte neurale Schaltkreise, die jeweils verschiedene adaptive Verhaltensstrategien ermöglichen. Der entwicklungsgeschichtlich älteste Komplex, der dorsale Vaguskomplex, wird über die Wahrnehmung lebensbedrohlicher Gefahr aktiviert und fördert die Konservierung von Ressourcen durch passive Vermeidung sowie Immobilisation (Ohnmacht, Totstellref ex etc.). Das Vorherrschen des dorsalen Vaguskomplexes kann man vor allem in wenig günstigen Verhaltensweisen wie Rückzug, Apathie, Resignation, Demotivation und Interesselosigkeit erkennen. Bei Kindern weisen Symptome wie ADS, Einkoten/Einnässen, wenig soziale Verhaltensweisen, geringe Mimik etc. auf eine überwiegend dorsale Regulierung hin. Das sympathische Nervensystem wird über die Wahrnehmung von Gefahr aktiviert. Es fördert Verteidigungs- und Notfallreaktionen durch die Mobilisation von Ressourcen im Sinne des bekannten Kampf- oder Fluchtverhaltens. Dabei wird sehr viel Energie benötigt. Ist das sympathische System einmal aktiviert, ist es auch schwer wieder abzuschalten. Folgen können dann unangemessene Reaktionen wie Angst und Aggressivität, bei Kindern ADHS, ebenso wie die Vorstufe des bekannten Burn-Out-Syndroms sein.
Abbildung 2: Die drei Regulationsebenen des autonomen Kontaktsystems nach der polyvagalen Theorie von Stephen Porges.
Der ventrale Vaguskomplex beschreibt nach Porges den stammesgeschichtlich neueren Anteil des autonomen Nervensystems, der Entspannung und Gelassenheit fördert, indem er den Einfluss des Sympathikus auf das Herz hemmt. Neuroanatomisch ist er zudem mitn Hirnnerven verbunden, die Sprache und Mimik steuern. Aus diesem Grund bezeichnet ihn Porges auch als Teil eines sogenannten „sozialen Kontaktsystems“, welches die Steuerung der Gesichts- und Kopfmuskeln erlaubt und hierüber auch unser soziales Verhalten beeinflusst.
Das Problem: Der ventrale Vaguskomplex schaltet sich nur ein, wenn der Mensch seine Umgebung als ausreichend sicher wahrnimmt. Woher weiß unser Nervensystem jedoch wann die Umwelt sicher, gefährlich oder lebensbedrohend ist? Anders ausgedrückt: Wodurch erfolgt letztlich die Aktivierung welchen Teiles des autonomen Nervensystems? Die Antwort: durch Neurozeption.
Neuronale Schaltkreise, sogenannte Feedback- bzw. Rückkopplungsschleifen, helfen uns, das aktuelle von einer Situation ausgehende Risiko über die Verarbeitung von Sinnesinformationen ständig zu bewerten. Um effektiv zwischen defensiven und prosozialen Verhaltensstrategien umschalten zu können, muss unser Nervensystem also stetig Risikobewertungen vornehmen und entsprechend zwischen den verschiedenen Hirnstrukturen umschalten. Leider kommt es jedoch sehr oft zu einer falschen Einschätzung des Risikos; das Stammhirn kann nicht immer zwischen wirklicher Gefahr und harmloser Situation unterscheiden. In solch einem Fall zeigen wir wenig an die Situation angepasstes Verhalten, da wir je nach physiologischem Zustand nur Zugriff auf eine begrenzte Auswahl sozialer Verhaltensweisen haben.
Unsere Verhaltensreaktionen werden also immer durch das Zusammenspiel der verschiedenen Vaguskomplexe mit dem sympathischen Nervensystem geregelt. Die drei neuronalen Schaltkreise sind hierarchisch strukturiert, d. h. das jeweils jüngere Programm unterdrückt das ältere.
Kommt es jedoch aufgrund dauerhaften Stresses (z.B. ständige Reizüberflutung etc.) zu einem ineffizienten Funktionieren der höheren (also neueren) Funktionen des autonomen Nervensystems, so übernehmen die niederen Anteile die Steuerung. Das Leben der Betroffenen nimmt dann die Charakteristik eines bloßen Überlebenskampfes ein, in dem prosoziales Verhalten und kognitive Steuerung kaum mehr möglich sind.
Die Bedeutung der Mittelohrmuskeln
Die akustische Umgebung in unserer modernen Welt wird von einer Vielzahl niederfrequenter Geräusche dominiert, welche die höherfrequente menschliche Stimme leicht überdecken können. Hier wird die immense Bedeutung der parasympathisch innervierten Mittelohrmuskulatur ersichtlich: Über den kaum bekannten Steigbügelmuskel (musculus stapedius) reguliert der Nervus Vagus nämlich auch die Steifheit der Gehörknöchelchenkette. Nur wenn diese ausreichend steif ist, wird die Lautstärke von niederfrequenten Geräuschen zum Innenohr gedämpft, was uns eine adäquate Entschlüsselung und Interpretation akustischer Reize durch das Großhirn ermöglicht (Borg & Counter, 1989).
Gelingt es dem Organismus hingegen nicht, die niederfrequenten Töne zu dämpfen, sokommt es zu einer massiven Überflutung des Organismus mit akustischen Reizen, was den Organismus in einen Zustand ständiger Alarmbereitschaft versetzt. In der Folge können sich verschiedene Verhaltensstörungen entwickeln. Darüber hinaus ist es für die Betroffenen zumeist extrem schwierig, den Inhalt menschlicher Sprache zu verstehen. Typische Folgeerscheinungen können dann Störungen des Sprachverständnisses oder der Aussprache sein, aber auch Konzentrations- und Gedächtnisprobleme treten gehäuft auf.
Wie funktioniert AVWF®?
Durch die musikalische Stimulation des autonomen Nervensystems – insbesondere des Nervus Vagus – wird die Regulation zwischen autonomem und zentralem Nervensystem verbessert.
Dabei werden die eingebetteten Impulse über die vom Vagusnerv innervierte Mittelohrmuskulatur zum einen an das Großhirn (=Bestandteil des zentralen Nervensystems) und zum anderen an das autonome Nervensystem weitergeleitet. Durch das zeitgleiche Takten afferenter und efferenter Nervenfasern des Vagusnervs kann so die falsche Reihenfolge der Aktivierung unseres Nervensystems bei Stress korrigiert und dadurch das innere Gleichgewicht wiederhergestellt werden. Darüberhinaus wird dem Gehirn ständig eine Art Sicherheitsempfinden vermittelt, welches sich aus der Entstehung von Vier-Hz-Frequenzen im EEG rückschließen lässt, die sonst nur im Tiefschlaf, also im Zustand tiefster Entspannung, auftreten. So kann der Körper letztlich zur inneren Homöostase (Wiederaktivierung des ventralen Vaguskomplexes) zurückkehren, womit die Basis für eine Verbesserung höherer Körperfunktionen gelegt wird. Abbildung 3 fasst noch einmal das Wirkprinzip der AVWF® mit Blick auf den theoretischen Hintergrund zusammen.
Abbildung 3: Die Bedeutung der Mittelohrmuskeln In Abbildung 3.1 wird der Organismus aufgrund mangelnder Dämpfung niederfrequenter Geräusche in einen Zustand ständiger Alarmbereitschaft versetzt.
In Abbildung 3.2 werden eben diese Frequenzen automatisiert heraus gefiltert, wodurch eine bessere Verarbeitung auditiver Reize ermöglicht wird.
Schematischer Überblick zum Wirkprinzip der AVWF® mit Blick auf den theoretischen Hintergrund
Wie sieht die Behandlung mit AVWF® aus?
Mit der AVWF®-Methode wurde ein Weg gefunden, das autonome Nervensystem wieder in Balance zu bringen und damit auch unser „soziales Kontaktsystem“ wieder zu aktivieren. Zunächst wird über eine umfassende Diagnostik der genaue Grad der Beeinträchtigung festgestellt. Als besonders hilfreich hat sich hier die Erfassung der Herzratenvariabilität erwiesen. Darüberhinaus kann ein Test der Low-Level-Funktionen hilfreich sein, um Defizite in der auditiven Wahrnehmungsverarbeitung aufzudecken.
Die ermittelten Befunde werden anschließend im gemeinsamen Gespräch erörtert und durch Verhaltensbeobachtungen ergänzt, so dass die Indikation für eine Behandlung ermittelt werden kann.
Abbildung 5: Prinzip der Schallmodulation. Über einen unmodulierten Tonträger wird ein modulierendes Nutzsignal gelegt, so dass sich ein modulierter Tonträger ergibt. Die so entstandenen Zeitfenster dienen als Schrittmacher und Impulsgeber für die mittels der Innenohrmuskulatur stimulierten Fasern des Nervus Vagus. Die auf diese Weise neu gepulsten Mittelohrmuskeln ermöglichen eine exakte Spannung der Gehörknöchelchenkette, und es erfolgt eine bessere Filterung auditiver Reize. Das heißt: Tiefe, unterhalb des Sprachbereiches liegende Frequenzen, die den Organismus in einen Zustand ständiger Alarmbereitschaft versetzen würden, können dann automatisiert ausgefi ltert werden.
Bei Erwachsenen mit geringer Herzratenvariabilität oder Defiziten in den Low-Level-Funktionen befindet sich das Nervensystem häufig in einem dauerhaft gestressten Zustand, da es die Vielzahl an einströmenden Informationen aus der Umwelt nicht richtig verarbeiten kann (=ineffiziente Verarbeitung von Reizen durch die Großhirnrinde). Dadurch können sich ganz unterschiedliche Symptome ergeben, angefangen bei Konzentrations- oder Verständnisschwierigkeiten bis hin zu Schlaf- oder Problemen auf Verhaltensebene (Gereiztheit etc.). An die umfassende diagnostische Eingangsphase schließt sich in der Regel eine zehntägige Behandlung mit der AVWF®-Methode an. Über Kopfhörer bekommen die Klienten täglich eine Stunde lang schallmodulierte Musik dargeboten. Die Art der dargebotenen Musik (Rock, Pop, Klassik) spielt dabei kaum eine Rolle. Entscheidend jedoch sind die für das menschliche Gehör kaum wahrnehmbaren modulierten Schallwellen, die die Innenohrmuskeln und damit auch die zum Gehirn hinführenden parasympathischen Nervenfasern stimulieren sollen.
Da die positive Stimulation des autonomen Nervensystems unbewusst geschieht, können Sie dabei lesen, am PC arbeiten, schlafen oder einfach nur entspannen.
Auch nach Beendigung der 10-tägigen Förderung steigert sich die Leistungsfähigkeit innerhalb von Wochen bis Monaten noch weiter und es lässt sich in den meisten Fällen eine Verminderung oder sogar der Wegfall der Symptome der jeweiligen Beeinträchtigung feststellen.
Stress und seine Auswirkungen
Der Begriff des Stresses geht auf Forschungen von Hans Selye zurück. Er defi niert Stress „als unspezifische Antwort des Organismus auf die Störung des [inneren] Gleichgewichts und als den Versuch, dieses Gleichgewicht wiederherzustellen“ (Birbaumer & Schmidt, 1999).
Selye postuliert damit erstmals, dass verschiedene Stressoren auf biologischer Ebene bei allen Menschen dieselben drei Reaktionsstadien hervorrufen und unterscheidet:
I) Alarmreaktion
In diesem Stadium nimmt der Organismus die Überstimulation/Belastung wahr. Dieser versucht der Organismus durch Mobilisierung aller Kräfte entgegen zu wirken. Es kommt zu einer Alarmreaktion, die mit der Aktivierung des Sympathikus einhergeht.
II) Widerstandsstadium
In diesem Stadium versucht sich der Organismus durch dauerhafte Mobilisierung von Ressourcen der Belastung anzupassen. Sichtbawird dies u.a. in einem erhöhten Ruhepuls. Wird die Anpassungsfähigkeit überschritten bzw. kann der Organismus die benötigte Energie
zur Bewältigung der Belastung nicht mehr bereitstellen, tritt das dritte Stadium ein.
III) Erschöpfungsstadium
Im Erschöpfungsstadium geht die Kapazität der Anpassungskräfte verloren. Es kann nicht mehr genügend Energie bereit- und die Stressbewältigung nicht mehr sichergestellt werden. Der Organismus ist überlastet. Die Erschöpfungsphase geht u.a. mit einem stark erniedrigten Ruhepuls einher.
Vor allem bei chronischem Stress wird oft die anfängliche Alarmreaktion übersprungen und der Organismus befindet sich dauerhaft im Widerstands- oder im Extremfall auch im Erschöpfungsstadium. Dabei sind diese Stadien gewissermaßen gleichzusetzen mit dem Vorherrschen der älteren Systeme (Sympathikus und dorsaler Vagus) im autonomen Nervensystem.
Vollbringt der Organismus stetig Höchstleistung (andauernder Anspannungs- und Aktivierungszustand), so führt dies früher oder später zum „Verschleiß“, was sich in unterschiedlichen Symptomen zeigen kann, u.a.
- Herz-Kreislaufbeschwerden (Schwindelgefühle, Herzrasen, Atembeschwerden
- Schmerzen (z.B. Kopf-, Nacken oder Rückenschmerzen)
- Schlafstörungen Störungen des Magen-Darm-Traktes (Verdauungsprobleme, Verstopfung,…)
- Antriebslosigkeit
- Nervosität und innere Unruhe
- Konzentrationsprobleme, uvm.
Konzentrationsprobleme ergeben sich u.a. aufgrund der Auswirkungen von Stress auf die Reizverarbeitung. So erfolgt bei Vorherrschen der älteren Systeme im autonomen Nervensystem (Sympathikus, dorsaler Vagus) keine bzw. nur eine verlangsamte Verarbeitung von Reizen über die Großhirnrinde. Die Situationsbewertung und Entscheidungsfindung durch das Großhirn ist dadurch eingeschränkt, wenn nicht sogar komplett unterbunden und der Körper reagiert mit Abwehrreflexen oder erstarrt in einer Schreckreaktion.
Informationen aus der Umwelt können unter permanenter Belastung also nicht mehr effizient und adäquat verarbeitet werden. In der Folge werden auch Reaktionen auf ungefährliche Situationen ausschließlich vom impliziten Gedächtnis gesteuert. Mehr noch: Während das Großhirn seine Aktivitäten beinahe einstellt, tritt bei den impliziten Schaltkreisen genau das Gegenteil ein. Informationen werden nicht mehr vorgefi ltert, sondern gelangen uninterpretiert und mit einer höheren „Bit-Rate“ als normal in den Organismus. Durch diese Reizüberflutung wird ständig nach Aus- und Fluchtwegen gesucht bzw. nach Möglichkeiten für Gegenangriffe. Kommt es also aufgrund einer schlechten Regulierung im autonomen Nervensystem zu einem ineffi zienten Funktionieren
höherer Funktionen, so gewinnen die niederen Anteile die Oberhand und Steuerung.
Reizverarbeitung im normalen System
Abbildung 6: Reize treffen aus der Umwelt auf die verschiedenen Sinnesorgane. Nur wenn der Organismus in der Lage ist, diese Reize richtig zu filtern, kann eine effiziente Verarbeitung von Sinnesreizen über die Großhirnrinde erfolgen.
Reizverarbeitung im gestörten System
Abbildung 7: Andernfalls sprechen wir von einer falschen Reihenfolge der Aktivierung, d.h. es erfolgt keine effiziente Verarbeitung von Stimuli über die Großhirnrinde mehr. Folgen sind Störungen in der Wahrnehmungsverarbeitung und daraus resultierend unangepasste Verhaltensweisen.
Die Bedeutung der Herzratenvariabilität
Die Herzratenvariabilität (HRV) beschreibt die Fähigkeit des Herzens, den zeitlichen Abstand von einem Herzschlag zum nächsten fortlaufend (i.d.R. belastungsabhängig) zu verändern und sich flexibel und rasant ständig wechselnden Herausforderungen anzupassen. Dabei ist der zeitliche Abstand zwischen zwei Herzschlägen ausschlaggebend für unsere aktuelle Herzfrequenz. Diese ist jedoch keineswegs konstant, sondern verändert sich ununterbrochen. Mal steigt sie leicht an, mal fällt sie leicht ab. Selbst im Ruhezustand treten spontan Veränderungen des zeitlichen Abstandes zwischen zwei Herzschlägen auf. Diese Fähigkeit zur Variabilität bezeichnet man als HRV.
Die HRV kann somit als Maß für die allgemeine Anpassungsfähigkeit des Organismus an äußere und innere Reize gesehen werden. So reagiert das Herz hoch sensibel auf Belastungen unterschiedlicher Art, insbesondere jedoch auf körperliche Anstrengung. Mit steigendem Puls (also vermehrtem Einfluss des Sympatikus auf das Herz) sinkt sie. Anschließend bleibt die HRV noch so lange verringert bis sich der Körper weitestgehend erholt hat. Dies kann bis zu 24 Stunden dauern.
Die HRV kann aber auch dauerhaft herabgesetzt werden, beispielsweise durch chronischen Stress/Überbelastung oder seelische Erkrankungen (Depressionen etc.). Da die HRV autonom (d.h. unwillentlich) geregelt wird, ist es naheliegend sie zur Messung des aktuellen Stresslevels einer Person heranzuziehen. So wissen wir, dass sich in Belastungssituationen die Regulierung wichtiger Körperfunktionen verschlechtert (vgl. auch polyvagale Theorie). Nach Servan-Schreiber (2004) lassen sich sogar ca. 50 bis 75% aller Arztbesuche auf Stress und Überbelastung zurückführen.
Generell gilt also: Je höher die HRV, umso besser. Denn: Eine größere Variabilität spricht insgesamt für eine höhere Anpassungsfähigkeit des Organismus in akuten Belastungssituationen.
Die HRV-Messung
Mittels des sog. Stresspiloten (Firma Biocomfort) kann die HRV schnell und einfach erfasst werden. Die Auswertung erfolgt dabei immer im Vergleich mit anderen Personen derselben Altersgruppe, da sich die HRV mit zunehmendem Alter verringert.
Bei guter Messungsqualität und guter HRV ist der Verlauf der Herzfrequenz annähernd sinusförmig. Unter Stressbelastung kommt es jedoch zu Einschränkungen der HRV und der Verlauf der Herzfrequenz gleicht bei guter Messungsqualität einer geraden Linie.
Natürlich können HRV-Messungen aufgrund grippaler Infekte, akuter übermäßiger körperlicher oder seelischer Belastung kurzfristig auch schlechter ausfallen. Ist die HRV jedoch bei mehrmaligen Messungen herabgesetzt, ist eine Ursachensuche unerlässlich.
Denn: Eine gute HRV ist bedeutsam für
- eine gute Leistungsfähigkeit
- eine gute Stressregulation
- eine schnelle Erholung und
- die Gesundheit.
Durch die Ausbalancierung des autonomen Nervensystems mittels AVWF® kann die HRV positiv beeinflusst werden. Im Anschluss an die AVWF® empfehlen sich jedoch häufig eine Stabilisierung sowie ein Weiteraufbau der HRV mittels sog. Regenerationsläufe aus dem AVWF®-Neurocoaching.
Gerne beraten wir Sie hierzu nach der AVWF® weiter.
(Text teilweise entnommen aus: BioSign GmbH (2009). Anleitung zum HRV-Scanner V 1.5.)
Häufige Vorstellungsgründe vor dem theoretischen Hintergrund betrachtet
Sehr oft findet sich als Ursache verschiedenster Symptomkomplexe eine Imbalance im autonomen Nervensystem. Das autonome Nervensystem reagiert nämlich stets in einer bestimmten Reihenfolge der Aktivierung (vgl.polyvagale Theorie). Bei einer vom Organismus als ineffifizient empfundenen Regulation kommt es allmählich zu einer Veränderung der Vaguskerne. Auch bei Dauerstress oder unter permanenter Belastung verändern sich diese und die dorsale Regulierung überwiegt. Man spricht dann von einer falschen Reihenfolge der Aktivierung der verschiedenen Anteile im autonomen Nervensystem.
Abbildung 8: Lage der Vaguskerne
In diesem Zustand fördert der Organismus primär Verteidigungs- und Notfallreaktionen, die prosoziales Verhalten und hohe Aufmerksamkeit kaum mehr möglich machen. Darüberhinaus leiten die dorsalen Nervenfasern Informationen mit nur einer Geschwindigkeit von 0,2-2m/s (im Vergleich zu 100m/s bei
ventraler Regulierung).
Durch die AVWF® kann die falsche Reihenfolge der Aktivierung im autonomen Nervensystem umgekehrt und somit der Einfluss der hemmenden Systeme auf den Organismus und die Wahrnehmungsverarbeitung ausgeglichen werden. Das Gehirn wird „schneller“, d.h. die Geschwindigkeit, mit der Informationen verarbeitet werden können, erhöht sich.
Die Basis für die Verbesserung komplexer Funktionen – egal ob bei Kindern, Sportlern oder Erwachsenen – bildet somit stets die Regulierung des autonomen Nervensystems, d.h. die Rückkehr zu den neuen Strukturen, durch die AVWF®.
Nachfolgend soll der o.g. Sachverhalt an einigen häufigen Vorstellungsgründen genauer erläutert werden.
Burn-out
Eine der bekanntesten und auch schwerwiegendsten Folgen von chronischem Stress ist das Burn-out-Syndrom. Auch wenn eine einheitliche Definition bislang fehlt, so tritt es doch relativ häufig auf. Schätzungen der Krankenkassen zufolge leiden etwa neun Millionen Deutsche am Burn-out-Syndrom.
Dadurch, dass der Körper bei der Vorstufe zum Burnout permanent unter „Dauerstrom“ steht, geht dessen natürliche Fähigkeit zur Regeneration verloren. Aus Schutz vor Überforderung schalten sich vermehrt dorsale Nervenfasern zu. Andere Funktionen werden vernachlässigt, weil der Organismus nur noch damit beschäftigt ist, das Überleben zu sichern. Die Regulation über den dorsalen Vaguskomplex sieht man u.a. darin, dass jegliche Anstrengung schwer fällt. Letztlich befinden sich die Betroffenen in einem physischen, psychischen und geistigen Erschöpfungszustand.
Da das Burn-out-Syndrom keine festgeschriebenen Symptome hat, ist es schwer zu diagnostizieren. Als schleichender Prozess (der Organismus versucht ja lange Zeit dagegen anzusteuern - jedoch ohne Erfolg) macht es sich meist auch erst sehr spät bemerkbar.
Häufige Symptome sind:
- Dauermüdigkeit
- Schwächegefühl, Antriebslosigkeit
- „Gefühl der Leere“
- Schlafstörungen
- Kopf- und Rückenschmerzen
- Herz-Kreislauf- und Magen-Darm-Beschwerden
- Immunschwäche
- Steigende Schmerzempfindlichkeit
- Konzentrationsschwäche
- Abnehmende Leistungsfähigkeit des deklarativen Gedächtnisgebrauchs (Faktenwissen)
- Eingeschränkte Kreativität
Darüberhinaus sind die Betroffenen auch in ihrer sozialen Interaktion beeinträchtigt: Sie sind schnell gereizt, wenig belastbar und empfinden soziale Kontakte als Anstrengung.
Einfache Kommunikationen oder selbst die Anwesenheit anderer werden zu Stressoren, was zur Folge hat, dass sich die Patienten zurückziehen und Kontakte meiden.
Schlafstörungen
Schlafstörungen können vielfältige Ursachen haben, häufig treten sie auch als Begleitsymptom bestehender Grunderkrankungen (Angststörungen, Depressionen uvm.) auf. In erster Linie unterscheiden wir Einschlaf-, Durchschlafund Ausschlafstörungen. Vor dem Hintergrund der polyvagalen Theorie lassen sich diese wie folgt erklären: Sie ergeben sich v.a. dann, wenn der Sympathikus bevorzugtes Regulationssystem ist. Ist letzterer nämlich einmal aktiviert, lässt er sich nur sehr schwer wieder abschalten. Da der Gegenspieler (ventrale Vagus) zu schwach ist, kommt der Körper oft nur für kurze Zeit zur Ruhe und der Schlaf ist nicht erholsam.
Auch wenn überwiegend der noch ältere dorsale Vagus vorherrscht, ist unser Schlaf alles andere als erholsam. Wir können dann zwar oft zwölf oder noch mehr Stunden durchweg schlafen, fühlen uns danach aber immer noch nicht fit und leistungsfähig.
Eine Therapie sollte daher immer in der Beseitigung der Ursachen liegen und nicht in der Beseitigung des Symptoms „Schlafstörung“ durch Schlafmittel.
Altersbeschwerden
Mit zunehmendem Alter nehmen meist auch die menschlichen Wehwehchen zu. Das Aufstehen fällt immer schwerer, die Schuhe beginnen zu drücken und beim Treppensteigen werden die Pausen immer länger. Oft will auch das Gedächtnis nicht mehr so recht. Auf biologischer Ebene zeigen sich Bluthochdruck, Kurzatmigkeit, Inkontinenz oder Schwerhörigkeit, um nur einiges zu nennen.
Dadurch, dass sich gerade ältere Menschen häufig in einem ständigen inneren Überlebenskampf (aufgrund der Auseinandersetzung mit den genannten Altersbeschwerden, nahendem Lebensende etc.) befinden, erfolgt meist keine ausreichende Verarbeitung der Informationen aus der Umwelt über die Großhirnrinde mehr.
In der Folge ergeben sich Verarbeitungsschwierigkeiten und sie nehmen kaum mehr, am sozialen Leben der Gesellschaft teil und, ziehen sich immer mehr zurück.
Neurologische Erkrankungen (Parkinson, Demenz, Schlaganfall, Schädelhirntrauma, Wachkoma, …)
Unter dem Begriff „Neurologische Erkrankungen“ fasst man eine Vielzahl verschiedener Krankheiten zusammen, die entweder das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) oder das periphere Nervensystem (restliches Nervenfasergeflecht) betreffen.
Da der gesamte Körper mit Nervenbahnen durchzogen ist, handelt es sich bei neurologischen Erkrankungen um sehr komplexe, oft auch um noch nicht vollständig erforschte Krankheiten.
Häufigere neurologische Erkrankungen sind beispielsweise:
Dementielle Erkrankungen
Die Demenz ist eine durch Krankheit bedingte Störung der Leistungsfähigkeit des Gehirns, durch die Gedächtnis und Denkfähigkeit abnehmen. Infolge der Hirnleistungsstörung verändert sich auch das Verhalten und Wesen dementer Menschen, sodass es vermehrt zu Unruhe mit erhöhter Anspannung, Enthemmung, Euphorie oder zu Aggressionen und Weinanfällen kommen kann. Das häufigste Verhaltenssymptom ist Teilnahmslosigkeit (Apathie). Des Weiteren kann die Krankheit Sprache und Motorik beeinträchtigen.
Schlaganfall
Ein Schlaganfall ist eine plötzliche Unterbrechung der Sauerstoffversorgung in einem umschriebenen Teil des Gehirns. Dadurch werden die Nervenzellen im betroffenen Gebiet geschädigt oder sterben ab. Im Falle einer Schädigung können sich die Zellen zum Teil regenerieren. Bei abgestorbenen Zellen können jedoch lebenslange Behinderungen bestehen bleiben. Wo und was für Symptome auftreten, hängt letztlich eng damit zusammen, welcher Teil des Gehirns betroffen ist. So kann ein Schlaganfall der rechten Gehirnhälfte z.B. zu einer Lähmung der linken Körperhälfte führen.
Morbus Parkinson
Parkinson ist eine Erkrankung des Gehirns, die in erster Linie durch eine Störung der willkürlichen und unwillkürlichen Bewegungsabläufe (Bewegungsarmut bis hin zu Bewegungslosigkeit) gekennzeichnet ist. Charakteristisch ist ein fortschreitender Verlust von Nervenzellen im Gehirn, die Dopamin enthalten. Allgemeine Müdigkeit, depressive Verstimmungen, plötzliche Schweißausbrüche, Verstopfung oder innere Unruhe machen sich bei Parkinson häufig vor den ersten Bewegungsstörungen bemerkbar. Auch psychische Begleitsymptome (Angst, etc.) treten in 30 bis 70% der Fälle auf.
Bewusstseinsstörungen
Ein Schädelhirntrauma ist meist Folge einer akuten schweren Schädigung des Gehirns, z.B. durch einen Unfall. Dabei kommt es zu einem funktionellen Ausfall der gesamten Großhirnfunktion oder größerer Teile, während Funktionen von Zwischenhirn, Hirnstamm und Rückenmark erhalten bleiben.
Beim Wachkoma wirken die Betroffenen wach, haben aber aller Wahrscheinlichkeit nach kein Bewusstsein und nur sehr begrenzte Möglichkeiten der Kommunikation mit ihrer Umwelt. Als Zeichen einer vegetativen Störung treten oft massiv erhöhter Blutdruck, Schwitzen, Herzrasen usw. auf.
Folgende Erscheinungen gelten als typisch:
- keine bewusste Wahrnehmung
- keine Kommunikation
- in Rückenmark, Hirnstamm oder durch das Vegetativum gesteuerte Reflexe (Schlaf-Wach-Rhythmus erhalten)
- Automatismen
- schwimmende oder hin- und hergehende Augenbewegungen
Aufgrund traumatischer Erlebnisse oder (neurologischer) Erkrankungen kann der Organismus in biogenetisch ältere Schutzmechanismen verfallen, die die verschiedenen Begleitsymptome der zugrundeliegenden Erkrankung erklären.
So können beispielsweise durch eine allgemeine Verlangsamung der Hirnrinde Informationen nicht mehr so effizient und schnell verarbeitet werden. Im schlimmsten Fall, schaltet das Gehirn sogar (aus Schutz vor Überforderung) bestimmte Areale auf Standby.
Fallbeispiel:
Die damals 14jährige Lisa lag nach einem schweren Autounfall im Dezember 2006 zwei Wochen lang im Koma. Daran schloss sich ein dreimonatiger Reha-Aufenthalt an, während dem sie an einer Vielzahl an Therapien (u.a. Sprachtherapie, neuropsychologische Behandlungen) teilnahm. Im Abschlussbericht hieß es: „Aus neuropsychologischer Sicht bedeuten die zur Zeit noch bestehenden kognitiven Defizite eine erhebliche Minderung der Leistungsfähigkeit in Bezug auf schulisches Lernen. Ob Lisa den Anforderungen der 8. bzw. 9.Klasse wird gerecht werden können, ist derzeit fraglich.“ Während des kompletten neunten Schuljahres wurden Lisas schulische Leistungen daher auch nicht bewertet. Kurz vor Ende des neunten Schuljahres bekamen die Eltern dann die Empfehlung, Lisa von der Schule zu nehmen und in einer Integrationsklasse unterrichten zu lassen, da sie den Ansprüchen der Realschule auch bei Wiederholung des Schuljahres wohl nicht gerecht werden würde. Zu diesem Zeitpunkt, ca. zwei Jahre nach dem Unfall, stellte sich Lisa erstmals bei uns vor.
Neben Defiziten in den Low-Level-Funktionen wurden massive Einschränkungen im Farbgesichtsfeld aufgedeckt. Ferner berichtete die Mutter von einem hohen Schutzbedürfnis. Lisa sei sehr zurückgezogen und nicht mehr so lebendig, traue sich selbst auch nichts mehr zu seit dem Unfall. Daraufhin nahm Lisa an einer zweiwöchigen audiovisuellen Wahrnehmungsförderung teil.
Innerhalb des darauffolgenden halben Jahres, wurde Lisa in der Schule wieder benotet. In der ersten Arbeit schrieb sie zwar eine fünf, habe sich aber sehr darüber gefreut, da doch endlich auch mal etwas hängen geblieben sei. Nach und nach wurden die Noten besser und Lisa erreichte eine Durchschnittsnote von 3,0 am Ende des neunten Schuljahres. Im Sommer 2010 schloss Lisa die Schule mit dem Realschulabschluss ab. Insgesamt erzielte Lisa durch die AVWF® deutliche Verbesserungen im motorischen Bereich. Ferner berichtete Lisa, dass sie sich besser konzentrieren und auch wieder alleine orientieren könne. Im Sozialverhalten zeigten sich ebenfalls positive Veränderungen. Lisa kommuniziere besser mit den Eltern und sei wieder aufgeschlossener. Derzeit denkt Lisa sogar darüber nach, ihren Fachoberschulabschluss nachzuholen.
Weitere Messverfahren
Low-Level-Funktionen
Die sog. Low-Level-Funktionen beschreiben die unterste von verschiedenen aufeinander aufbauenden Stufen der Entwicklung komplexer Leistungen. Sie sind somit Voraussetzung dafür, dass wir aufmerksam sein und uns konzentrieren können. Sie sind aber auch wichtig, um beispielsweise den Inhalt menschlicher Sprache entschlüsseln zu können.
Da Erwachsene Defizite auf dieser basalen Stufe oft zu kompensieren vermögen, erfolgt die Messung der Low-Level-Funktionen v.a. bei kognitiven Störungen bzw. Altersbeschwerden, einem Burnout oder nach traumatischen Erlebnissen. Als besonders hilfreich hat sich hier die Erfassung der folgenden Funktionen erwiesen:
- Ordnungsschwelle (visuell/auditiv)
Sie gilt als Maß für die Verarbeitungsgeschwindigkeit des Gehirns (Pöppel, 1985). Sie ist wichtig für eine zügige und präzise zeitliche Auflösung kontinuierlicher Seh- bzw. Höreindrücke.
Ist die Verarbeitungsgeschwindigkeit zu langsam, gehen uns immer Informationen verloren!
- Richtungshören
Das Richtungshören bezeichnet die Fähigkeit, die Richtung und Entfernung einer Schallquelle zu erkennen, d.h. diese räumlich zu lokalisieren (Schönweiler & Ptok, 2000; Uttenweiler, 1996). Sie ist somit unabdingbar für das Unterscheiden von Stör- und Nutzschall. Bei einer Beeinträchtigung des Richtungshörens werden verschiedene Geräuschquellen als undifferenziertes Gemisch wahrgenommen, was sich negativ auf die Aufrechterhaltung der Aufmerksamkeit auswirkt.
Normwerte im Überblick:
Eine mangelnde Automatisierung im Low-Level- Bereich kann sich u.a. bemerkbar machen in schneller Ermüdbarkeit, Konzentrations-, Gedächtnis- oder Verständnisproblemen.
Ergebnis der HRV-Messung
Wie bereits auf Seite 13 erörtert wurde, kann die HRV-Messung zur Beurteilung der aktuellen Anpassungsfähigkeit einer Person herangezogen werden.
Dabei ist der Ablauf denkbar einfach. Mittels des Stresspiloten unseres Kooperationspartner Biocomfort werden wichtige Parameter wie die mittlere Herzfrequenz und die Schwankung dieser über eine schnelle Ohrclip-Messung erfasst.
Nachfolgend können Sie das Ergebnis Ihrer HRV-Messung mit anderen Personen Ihrer Altersgruppe vergleichen. Dabei gibt die mittlere Herzfrequenz die Anzahl der Herzschläge je Minute an. Die RSA (=resp. Sinusarythmie) dient als direkte Maßzahl für die atemsynchrone Schwankung der Herzfrequenz und drückt aus, wie stark sich die Herzfrequenz von einem Herzschlag zum nächsten ändert. Hierbei gilt: Je höher die RSA, umso besser.
Abbildung 9 :Beispiel für verschiedene Regulierungen des autonomen
Nervensystems. Während Abbildung I die Parameter einer schlechten Regulation veranschaulicht,
ist in Abbildung II eine gute Regulation dargestellt.
Normwerte der Herzfrequenz entnommen aus: BioSign GmbH (2008-2010). HRV-Scanner.
Normwerte der RSA entnommen aus: BioSign GmbH (2008-2010). HRV-Scanner.
Checkliste zur Einschätzung der Anpassungsfähigkeit des Organismus
Abbildung 10: Beispiel für die Ermittlung einer guten vs. schlechten Anpassungsfähigkeit
des Organismus mittels des HRV-Scanners
Vorgeschichte
Informationen über die Vorgeschichte sind wichtig für die Früherkennung und Vorbeugung von Stress und damit einhergehenden Symptomen:
- Belastendes Lebensereignis (z.B. Tod einer nahestehenden Person, Unfall, …)
- Traumatisches Erlebnis
- Wiederholte Erkrankungen
- Mehrere Operationen
Schlafverhalten
Das Schlafverhalten gibt Auskunft über die vorherrschende Regulierung im autonomen Nervensystem:
- Können Sie schlecht einschlafen und/oder wachen nachts häufiger auf?
- Schlafen Sie zu wenig?
- Fühlen Sie sich morgens wie „gerädert“?
- Sind Sie tagsüber oft müde und erschöpft, obwohl Sie ausreichend Schlaf hatten?
- Nehmen Sie Beruhigungs-, Schlafmittel oder Psychopharmaka?
Physiologisches
Stress bewirkt verschiedene Veränderungen auf physiologischer Ebene:
- Beträgt Ihr Ruhepuls über 80 Schläge pro Minute?
- Haben Sie des Öfteren Herzrasen oder Herz-Kreislauf-Beschwerden?
- Haben Sie leicht Magenschmerzen, Verstopfung oder Durchfall?
- Sind Sie sehr anfällig für Infektionen wie Grippe und Erkältungen?
- Leiden Sie häufiger als früher unter Kopfschmerzen, einem nervösen Magen oder Herzklopfen?
- Sind Sie lärm- bzw. geräuschempfindlich?
- Bekommen Sie leicht feuchte Hände oder Schweißausbrüche?
- Sind Sie lichtempfindlich?
- Leiden Sie unter motorischer Unruhe (Fußwippen, Fingertrommeln)?
- Haben Sie häufig Verspannungen oder Spannungsschmerzen im Kopf- und Nackenbereich?
- Knirschen Sie oft mit den Zähnen?
Verhalten und soziale Anpassung
Auch wenn die physiologische Reaktion auf Stress bei allen Menschen weitestgehend gleich ist, so können sich auf Verhaltensebene
verschiedene Symptome zeigen:
- Sind Sie nervös bzw. werden Sie leicht ungeduldig?
- Ärgern Sie sich schnell?
- Sind Sie oft aufgeregt, hektisch oder unruhig?
- Vernachlässigen Sie schon längere Zeit Ihre Freunde und/oder Ihre Hobbys?
- Haben Sie wenig Kontakt zu Mitmenschen?
- Reagieren Sie gereizt und aggressiv, wenn etwas nicht so läuft, wie geplant?
- Fühlen Sie sich ausgelaugt und ausgebrannt?
- Sind Sie oft antriebslos?
- Fällt es Ihnen schwer, sich zu entspannen?
- Haben Sie Probleme, abends oder am Wochenende abzuschalten?
- Brechen Sie leicht in Tränen aus oder fühlen sich schnell gekränkt?
- Fühlen Sie sich, mehr als früher, überfordert und haben das Gefühl, alles wächst Ihnen über den Kopf?
Konzentration/Aufmerksamkeit
Ist der Organismus permanent gestresst, so kann sich dies v.a. auf die Konzentration und Aufmerksamkeit auswirken:
- Können Sie sich schlecht konzentrieren und verlieren häufig bei Gesprächen den Faden?
- Lassen Sie sich leicht durch Störreize ablenken?
- Bekommen Sie leicht Kopfschmerzen?
- Ermüden Sie schnell bei fordernden Tätigkeiten?
- Nerven Sie die Fliege an der Wand oder ein klingelndes Telefon mehr als früher?
- Neigen Sie zu kleinen Unfällen oder verlegen bzw. vergessen wichtige Dinge?
- Erleben Sie häufiger Blackouts?
Sonstige Stressoren
Eine Vielzahl an Stressoren wirkt täglich auf den Organismus ein. Diese zu erkennen, hilft Stress zu erkennen und vorzubeugen:
- Stehen Sie oft unter zeitlichem Druck?
- Sind Sie sehr ehrgeizig?
- Empfinden Sie Ihre Arbeit/die Schule als schwere Belastung?
- Sind Sie mit Ihrer Situation unzufrieden?
- Haben Sie Ängste vor der Zukunft?
- Essen Sie oft Süßigkeiten oder viel fetthaltige Nahrung?
- Rauchen oder trinken Sie Alkohol, um abschalten zu können?
- Arbeiten oder spielen Sie viel am PC?
- Sehen Sie oft und lang fern?
Sie können mehrere Fragen mit „ja“ beantworten? Dann vereinbaren Sie mit uns einen Termin für ein unverbindliches Beratungsgespräch. Denn: Eine Vielzahl der angeführten
Symptome lässt sich auf eine Imbalance im autonomen Nervensystem zurückführen.
Literaturnachweis
- Borg, E. & Counter, S.A. (1989). The Middle-Ear Muscles. Scientific American, 261(2), 74–78.
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- Birbaumer, N. & Schmidt, F.R. (1999). Biologische Psychologie.Berlin, Heidelberg: Springer-Verlag.
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- Pöppel, E. (1985). Grenzen des Bewußtseins. Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt.
- Porges, S.W. (1995). Orienting in a defensive world: Mammalian modifications of our evolutionary heritage. A Polyvagal Theory. Psychophysiology, 32, 301–318.
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- Schönweiler, R. & Ptok, M. (2000). Phoniatrie und Pädaudiologie. Hannover: Eigenverlag.
- Servan-Schreiber, D. (2004). Die neue Medizin der Emotionen. München: Antje Kunstmann Verlag.
- Thompson, R.F. (2001). Das Gehirn. Von der Nervenzelle zur Verhaltenssteuerung. Heidelberg, Berlin: Spektrum Akademischer Verlag.
- Trepel, M. (2004). Neuroanatomie. Sturktur und Funktion. München, Jena: Urban & Fischer Verlag.
- Uttenweiler, V. (1996). Diagnostik zentraler Hörstörungen, auditiver Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörungen. Sprache, Stimme, Gehör, 20, 80-90.
Internetquellen:
- http://www.stress-ratgeber.de
- http://www.hrv24.de
- http://www.palverlag.de/Stress-Burnout.html
- http://www.onmeda.de/krankheiten/krankheitsgebiete.html
- http://www.curado.de/Neurologische-Erkrankungen-119
- http://www.deam.de/krank/00029.htm
- http://de.wikipedia.org/wiki/apallisches_Syndrom
(letzter Zugriff 07.02.2011)