Audiovisuelle Wahrnehmungsförderung

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Was bringt meinem Kind die AVWF-Methode?

Was ist AVWF® ?

Mit der Audiovisuellen Wahrnehmungsförderung (kurz: AVWF) können bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Lern- und Aufnahmefähigkeit, Motorik sowie mentale und körperliche Leistungsfähigkeit verbessert werden. Dazu werden Schallwellen in einem Musikstück derart moduliert, dass sie über in der Mittelohrmuskulatur gelegene Nervenfasern das autonome Nervensystem stimulieren und wieder in Balance bringen.

Schon nach wenigen Trainingseinheiten stellen sich in der Regel die ersten Erfolge ein, da durch die über Kopfhörer dargebotene und wahrgenommene schallmodulierte Musik im Unterbewusstsein bereits vorhandene biogenetische Muster wieder neu stimuliert werden. Die positive Beeinflussung des autonomen Nervensystems wirkt sich auch auf das Lernvermögen aus: Ohne aktives Üben erhöht sich die Geschwindigkeit, mit der Informationen im Gehirn verarbeitet werden können. Das Gehirn wird schneller und die Zusammenarbeit beider Hirnhälften verbessert.

Theoretischer Hintergrund

Um die Wirkweise der AVWF besser verstehen zu können, ist ein kurzer Exkurs zur Entwicklung des autonomen und zentralen Nervensystems nötig.

Paul D. MacLean (1990) geht davon aus, dass sich unser Gehirn stufenförmig entwickelt hat. Man könnte es sich vereinfacht als eine Art „Gehirngebäude“ mit verschiedenen Verarbeitungsteams vorstellen.

Abbildung 1: Vereinfachte schematische Darstellung der verschiedenen evolutionär geformten Regulationsebenen im Gehirn.

Der entwicklungsgeschichtlich älteste Gehirnteil, der sogenannte Hirnstamm, befindet sich im Erdgeschoss unseres Gehirngebäudes. Er regelt über reflexiv gesteuerte neuronale Kreisläufe unsere fundamentalen Grundüberlebensinstinkte.

Erst mithilfe des später entwickelten limbischen Systems (1.Etage unseres Denkgebäudes) wurden Lebewesen in die Lage versetzt, Informationen aus der Umwelt mit Informationen aus der Innenwelt zu verbinden. Dies bildet die Basis für emotionales Erleben und ermöglicht begrenzt ein erstes Entscheidungsverhalten.

Den stammesgeschichtlich jüngsten Teil bildlich gesehen die Chefetage, bildet die Großhirnrinde (Cortex). Diese ermöglicht uns die bewusste Verarbeitung von Sinnesreizen, also all jene Prozesse, welche den Menschen als solchen auszeichnen (Denken, Planen, Entscheiden etc.). Darüber hinaus weist die Großhirnrinde starke Verbindungen sowohl zum limbischen System als auch zum Hirnstamm auf, was für die Reizverarbeitung von zentraler Bedeutung ist.

Um mit den komplexen Anforderungen unserer Lebenswelt zurechtzukommen, ist es besonders wichtig, dass die drei weitestgehend unabhängig nebeneinander existierenden Anteile mit ihren spezifischen Funktionsweisen harmonisch zusammenarbeiten.

Polyvagale Theorie

Auch unser autonomes Nervensystem, welches über Rückkopplungsschleifen lebenswichtige Körperfunktionen wie u.a. Atmung und Herzschlag reguliert, hat sich phylogenetisch stufenweise entwickelt. Stephen Porges geht dabei von einer Zweiteilung des Nervus Vagus (10. Hirnnerv) aus und weist in seiner polyvagalen Theorie (1995/2001) auf dessen immense Bedeutung innerhalb der parasympathischen Regulierung unseres Nervensystems und damit auch unseres Verhaltens hin. So unterscheidet er drei getrennte neurale Schaltkreise, die jeweils verschiedene adaptive Verhaltensstrategien ermöglichen.

Der entwicklungsgeschichtlich älteste Komplex, der dorsale Vaguskomplex, wird über die Wahrnehmung lebensbedrohlicher Gefahr aktiviert und fördert die Konservierung von Ressourcen durch passive Vermeidung sowie Immobilisation (Ohnmacht, Totstellreflex etc.). Das Vorherrschen des dorsalen Vaguskomplexes kann man vor allem in wenig günstigen Verhaltensweisen wie Rückzug, Apathie, Resignation, Demotivation und Interesselosigkeit erkennen. Bei Kindern weisen Symptome wie ADS, Einkoten/Einnässen, wenig soziale Verhaltensweisen, geringe Mimik etc. auf eine überwiegend dorsale Regulierung hin.

Das sympathische Nervensystem wird über die Wahrnehmung von Gefahr und Bedrohung aktiviert. Es fördert Verteidigungs- und Notfallreaktionen durch die Mobilisation von Ressourcen im Sinne des bekannten Kampf- oder Fluchtverhaltens. Dabei wird sehr viel Energie benötigt. Ist das sympathische System einmal aktiviert, ist es auch schwer wieder abzuschalten. Folgen können dann unangemessene Reaktionen wie Angst und Aggressivität, bei Kindern ADHS, ebenso wie das bekannte Burn-Out-Syndrom sein.

Der ventrale Vaguskomplex beschreibt nach Porges den stammesgeschichtlich neueren Anteil des autonomen Nervensystems, der Entspannung und Gelassenheit fördert, in dem er den Einfluss des Sympathikus auf das Herz hemmt. Neuroanatomisch ist er zudem mit Hirnnerven verbunden, die Sprache und Mimik steuern. Aus diesem Grund bezeichnet ihn Porges auch als Teil eines sogenannten »sozialen Kontaktsystems «, welches die Steuerung der Gesichts- und Kopfmuskeln erlaubt und hierüber auch unser soziales Verhalten beeinflusst. Das Problem: Der ventrale Vaguskomplex schaltet sich nur ein, wenn der Mensch seine Umgebung als ausreichend sicher wahrnimmt.

Woher weiß unser Nervensystem jedoch wann die Umwelt sicher, gefährlich oder lebensbedrohend ist? Anders ausgedrückt: Wodurch erfolgt letztlich die Aktivierung welchen Teiles des autonomen Nervensystems? Die Antwort: durch Neurozeption.

Abbildung 2: Die drei Regulationsebenen des autonomen Kontaktsystems nach der polyvagalen Theorie von Stephen Porges.

Neuronale Schaltkreise, sogenannte Feedback- bzw. Rückkopplungsschleifen, helfen uns, das aktuelle von einer Situation ausgehende Risiko über die Verarbeitung von Sinnesinformationen ständig zu bewerten. Um effektiv zwischen defensiven und prosozialen Verhaltensstrategien umschalten zu können, muss unser Nervensystem also stetig Risikobewertungen vornehmen und entsprechend zwischen den verschiedenen Hirnstrukturen umschalten. Leider kommt es jedoch sehr oft zu einer falschen Einschätzung des Risikos; das Stammhirn kann nicht immer zwischen wirklicher Gefahr und harmloser Situation unterscheiden. In solch einem Fall zeigen wir wenig an die Situation angepasstes Verhalten, da wir je nach physiologischem Zustand nur Zugriff auf eine begrenzte Auswahl sozialer Verhaltensweisen haben.

Unsere Verhaltensreaktionen werden also immer durch das Zusammenspiel der verschiedenen Vaguskomplexe mit dem sympathischen Nervensystem geregelt. Die drei neuronalen Schaltkreise sind hierarchisch strukturiert, d. h. das jeweils jüngere Programm unterdrückt das ältere.

Kommt es jedoch aufgrund dauerhaften Stresses (z.B. ständige Reizüberflutung etc.) zu einem ineffizienten Funktionieren der höheren (also neueren) Funktionen des autonomen Nervensystems, so übernehmen die niederen Anteile die Steuerung. Das Leben der Betroffenen nimmt dann die Charakteristik eines bloßen Überlebenskampfes ein, in dem prosoziales Verhalten und kognitive Steuerung kaum mehr möglich sind.

Die Auswirkungen von Stress und die Bedeutung der Mittelohrmuskeln

Die akustische Umgebung in unserer modernen Welt wird von einer Vielzahl niederfrequenter Geräusche dominiert, welche die höherfrequente menschliche Stimme leicht überdecken können. Hier wird die immense Bedeutung der parasympathisch innervierten Mittelohrmuskulatur ersichtlich: Über den kaum bekannten Steigbügelmuskel (musculus stapedius) reguliert der Nervus vagus nämlich auch die Steifheit der Gehörknöchelchenkette. Nur wenn diese ausreichend steif ist, wird die Lautstärke von niederfrequenten Geräuschen zum Innenohr gedämpft, was uns eine adäquate Entschlüsselung und Interpretation akustischer Reize durch das Großhirn ermöglicht(Borg & Counter, 1989).

Gelingt es dem Organismus hingegen nicht, die niederfrequenten Töne zu dämpfen, so kommt es zu einer massiven Überflutung des Organismus mit akustischen Reizen, was den Organismus in einen Zustand ständiger Alarmbereitschaft versetzt. In der Folge können sich verschiedene Verhaltensstörungen entwickeln. Darüber hinaus ist es für die Betroffenen zumeist extrem schwierig, den Inhalt menschlicher Sprache zu verstehen. Typische Folgeerscheinungen können dann Störungen der Sprachentwicklung sowie des Sprachverständnisses sein, aber auch Konzentrationsund Lernprobleme treten gehäuft auf.

Wie funktioniert AVWF®?

Durch die musikalische Stimulation des autonomen Nervensystems - insbesondere des Nervus Vagus - wird die Regulation zwischen autonomem und zentralem Nervensystem verbessert.

Dabei werden die eingebetteten Impulse über die vom Vagusnerv innervierte Mittelohrmuskulatur zum einen an das Großhirn (=Bestandteil des zentralen Nervensystems) und zum anderen an das autonome Nervensystem weitergeleitet. Durch das zeitgleiche Takten afferenter und efferenter Nervenfasern des Vagusnervs kann so die falsche Reihenfolge der Aktivierung unseres Nervensystems bei Stress korrigiert und dadurch das innere Gleichgewicht wiederhergestellt werden. Darüber hinaus wird dem Gehirn ständig eine Art Sicherheitsempfinden vermittelt, welches sich aus der Entstehung von Vier-Hz-Frequenzen im EEG rückschließen lässt, die sonst nur im Tiefschlaf, also im Zustand tiefster Entspannung, auftreten. So kann der Körper letztlich zur inneren Homöostase (Wiederaktivierung des ventralen Vaguskomplexes) zurückkehren, womit die Basis für eine Verbesserung höherer Körperfunktionen gelegt wird.

Abbildung 3 fasst noch einmal das Wirkprinzip der AVWF mit Blick auf den theoretischen Hintergrund zusammen.

Abbildung 3: Die Bedeutung der Mittelohrmuskeln: Während der Organismus in Abbildung I aufgrund mangelnder Dämpfung niederfrequenter Geräusche in einen Zustand ständiger Alarmbereitschaft versetzt wird, werden in Abbildung II eben diese Frequenzen auomatisiert herausgefiltert, wodurch eine bessere Verarbeitung auditiver Reize ermöglicht wird.

Schematischer Überblick zum Wirkprinzip der AVWF® mit Blick auf den theoretischen Hintergrund

Wie sieht die Behandlung mit AVWF® aus?

Mit der AVWF-Methode® wurde ein Weg gefunden, das autonome Nervensystem wieder in Balance zu bringen und damit auch unser »soziales Kontaktsystem« wieder zu aktivieren.

Zunächst wird über eine umfassende Diagnostik der genaue Grad der Beeinträchtigung festgestellt. Als besonders hilfreich hat sich hier die Erfassung der Low-Level-Funktionen (unterste Ebene sprachlicher Kompetenz) über den Brainboy erwiesen.

Häufig kommen Kinder aufgrund von Problemen in der Schule, Verständigungsschwierigkeiten oder Aufmerksamkeitsdefiziten zu uns. Die Symptome sind ganz vielfältig. Entsprechend der Hierarchie der Entwicklung komplexer Leistungen findet sich als Ursache der Probleme sehr oft eine Störung in der auditiven Wahrnehmungsverarbeitung.

Hier wird auch die Bedeutung des Hörens für den Menschen deutlich. Wie soll ich mich in meiner Lebenswelt zurechtfinden, wenn basale Grundfunktionen wie Richtungshören, Tonhöhenunterscheidung, Mustererkennung etc. nicht einwandfrei funktionieren? Wie soll ich mich artikulieren bzw. den Inhalt menschlicher Sprache verstehen, wenn keine bzw. nur eine eingeschränkte Verarbeitung der auditiven Reize durch das Großhirn erfolgt?

Aus den vorangegangenen Ausführungen wissen wir, dass wir sozial angepasstes Verhalten nur zeigen können, wenn die Umgebung als ausreichend sicher erachtet wird und eine Verarbeitung der Reize über die Großhirnrinde erfolgt. Bei Kindern mit Defiziten in den Low-Level-Funktionen befindet sich das Nervensystem häufig in einem dauerhaft gestressten Zustand, da es die Vielzahl an einströmenden Informationen aus der Umwelt nicht richtig verarbeiten kann (=ineffiziente Verarbeitung von Reizen durch die Großhirnrinde). In der Folge können eben diese Kinder sozial unangepasste Verhaltensweisen zeigen.

An die umfassende diagnostische Eingangsphase schließt sich dann in der Regel eine zehntägige Behandlung mit der AVWF-Methode an. Über Kopfhörer bekommen die Klienten täglich eine Stunde lang schallmodulierte Musik dargeboten. Da die positive Stimulation des autonomen Nervensystems unbewusst geschieht, kann das Kind dabei Hausaufgaben oder Lernspiele am PC machen.

Abbildung 5: Prinzip der Schallmodulation. Über einen unmodulierten Tonträger wird ein modulierendes Nutzsignal gelegt, so dass sich ein modulierter Tonträger ergibt. Die so entstandenen Zeitfenster dienen als Schrittmacher und Impulsgeber für die mittels der Innenohrmuskulatur stimulierten Fasern des Nervus Vagus. Die auf diese Weise neu gepulsten Mittelohrmuskeln ermöglichen eine exakte Spannung der Gehörknöchelchenkette, und es erfolgt eine bessere Filterung auditiver Reize. Das heißt: Tiefe, unterhalb des Sprachbereiches liegende Frequenzen, die den Organismus in einen Zustand ständiger Alarmbereitschaft versetzen würden, können dann automatisiert ausgefiltert werden.

Hierarchie der Entwicklung komplexer Leistungen

Die Entwicklung komplexer Leistungen erfolgt stufenförmig, d.h. die verschiedenen Ebenen bauen aufeinander auf. Nur wenn die unteren Ebenen wie Low-Level-Bereich, Körperschema & Aufmerksamkeit hinreichend gut ausgeprägt sind, kann eine gezielte Teilleistungsförderung erfolgen. Sind letztlich auch die verschiedenen Teilleistungen hinreichend gut ausgeprägt, so kann mit der Arbeit am Symptom, also der Arbeit an komplexen Leistungen begonnen werden.

Reizverarbeitung im normalen System

Abbildung 6: Reize treffen aus der Umwelt auf die verschiedenen Sinnesorgane. Nur wenn der Organismus in der Lage ist, diese Reize richtig zu filtern, kann eine effiziente Verarbeitung von Sinnesreizen über die Großhirnrinde erfolgen.

Reizverarbeitung im gestörten System

Abbildung 7: Andernfalls sprechen wir von einer falschen Reihenfolge der Aktivierung, d.h. es erfolgt keine effiziente Verarbeitung von Stimuli über die Großhirnrinde mehr. Folgen sind Störungen in der Wahrnehmungsverarbeitung und daraus resultierend unangepasste Verhaltensweisen.

Die Bedeutung der Low-Level-Funktionen

Nach einem Modell von Prof. Ptok (Medizinische Hochschule Hannover) beschreiben die Low-Level-Funktionen die untere von fünf hierarchisch aufeinander aufbauenden Stufen der Entwicklung sprachlicher Kompetenz.

Diese basale Stufe besteht aus Fähigkeiten wie z.B. der Tonhöhenunterscheidung, dem Richtungshören und der Reaktionszeit im Hörbereich. Damit haben die Low-Level-Funktionen zwar noch keinen unmittelbaren Bezug zur Sprache, sind aber wichtig für das Erkennen von Lauten, Silben, Wörtern und schließlich für das Verstehen sprachlicher Kontexte, also für die höheren Entwicklungsstufen der Sprachkompetenz. Probleme im Schriftspracherwerb sind somit oft ein Symptom nicht ausreichend entwickelter Low-Level-Funktionen.

Anders ausgedrückt: Defizite im Low-Level-Bereich führen zu einer Beeinträchtigung darüber angesiedelter Funktionen. Kinder fallen dann häufig durch schnelle Ermüdbarkeit, Konzentrationsprobleme und eine geringe Frustrationstoleranz auf.

Aus diesem Grund ist es so wichtig, Defizite frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Genau hier setzt die AVWF an - nämlich an der Verbesserung der Low-Level-Funktionen. Durch die Schallmodulation wird also als erstes die Ursache, nicht das Symptom bekämpft.

Abbildung 8: Modell der Entwicklung sprachlicher Kompetenz nach Ptok.

Die Low-Level-Funktionen im Überblick

Download: Low-Level-Funktionen > Ansicht groß

Der Low-Level-Test

Der nachfolgenden Tabelle können Sie die Normwerte (getrennt nach Alter) der verschiedenen Low-Level-Funktionen entnehmen. Nur Werte unter bzw. in unmittelbarer Nähe der Norm sprechen für eine ausreichende Automatisierung der Low-Level-Funktionen und damit eine effiziente Verarbeitung von Sinnesreizen über die Großhirnrinde.

Abweichungen hingegen gelten als Indikator für Störungen in der Wahrnehmungsverarbeitung. Hinzu kommt, dass bei nicht voll automatisierten Low-Level-Funktionen sehr viel Energie des Organismus bereits im Low-Level-Bereich verbraucht wird, die letztlich für die Entwicklung der High-Level-Funktionen fehlt. Folgen sind dann u.a. schnelle Ermüdbarkeit, geringe Frustrationstoleranz sowie Probleme mit der Konzentration.

Abbildung 9: Zeigen sich Defizite im Low-Level-Bereich, so verbraucht der Organismus hier zwar noch weniger Energie als der Generator zur Verfügung stellt, aber es bleibt nur eine kleine Menge Energie übrig, von der die Batterie nur teilweise geladen werden kann. Noch funktioniert das System reibungslos. Im High-Level-Bereich (höhere Körperfunktionen, z.B. Lernprozesse oder Sozialkontakte) wird dann aber mehr Energie benötigt, als der Generator zur Verfügung stellen kann. Die Batterie wird deshalb „angezapft“. Diese kann den erhöhten Bedarf jedoch nur vorübergehend decken. Ist die Batterie leer, bricht das System schlagartig zusammen.

Checkliste zur Erkennung von Horchstörungen

Vorgeschichte

Informationen über die Vorgeschichte sind wichtig für die Früherkennung und Vorbeugung von Horchproblemen::
  • Problematische Schwangerschaft
  • Schwierige Geburt
  • Adoption
  • Frühe Trennung von der Mutter
  • Verzögerte motorische Entwicklung
  • Verzögerte Sprachentwicklung
  • Wiederholte Mittelohrentzündungen

Zuhören

Zuhören ist das nach außen gerichtete Hören. Es stellt uns ein auf die Welt um uns herum, auf das, was zu Hause, bei der Arbeit, im Klassenzimmer geschieht. Folgende Auffälligkeiten können auftreten:
  • Kurze Aufmerksamkeitsspanne
  • Ablenkbarkeit
  • Überempfindlichkeit auf Geräusche
  • Häufiges Missverstehen im Gespräch
  • Verwechseln ähnlich klingender Wörter und Laute
  • Häufiges Bitten um Wiederholung des Gesagten
  • Unfähigkeit, komplexen Anweisungen zu folgen

Wiedergeben

Das nach innen gerichtete Hören kontrolliert die Stimme, das Sprechen und das Singen, eine wichtige Voraussetzung für korrektes Wiedergeben. Folgende Auffälligkeiten können auftreten:
  • Matte, eintönige Stimme
  • Stockende Sprechweise
  • Mangelhafter Wortschatz
  • Fehlerhafter Satzbau
  • Übermäßige Verwendung der immer gleichen Ausdrücke
  • Unfähigkeit, richtig zu singen
  • Verwechseln und Umstellen von Buchstaben
  • Schlechtes Leseverständnis
  • Probleme beim Vorlesen
  • Mangelhafte Rechtschreibung

Motorische Fähigkeiten

Auch das Gleichgewichtsorgan, das die gesamte Motorik steuert, u.a. das Zusammenspiel von Blick- und Handbewegungen, kann Auffälligkeiten zeigen:
  • Schlechte Haltung
  • Zappeliges Verhalten
  • Unbeholfene, unkoordinierte Bewegungen
  • Mangelndes Rhythmusgefühl
  • Unleserliche Handschrift
  • Probleme mit Strukturierung und Organisation
  • Verwechslung von rechts und links
  • Unklare Lateralität
  • Mangelnde sportliche Fähigkeiten

Energiepegel

Das Ohr wirkt wie ein Dynamo, der das Gehirn zu einem großen Teil mit Energie versorgt. Bei mangelhafter Versorgung können folgende Auffälligkeiten auftreten:
  • Antriebslosigkeit am Morgen schon beim Aufstehen
  • Erschöpfung am Abend
  • Mangelnde Entschlussfreudigkeit
  • Häufiges Aufschieben von Aufgaben
  • Hyperaktivität
  • Neigung zu depressiven Tendenzen
  • Überforderung durch alltägliche Aufgaben

Verhalten und soziale Anpassung

Ein Horchproblem ist häufig mit folgenden Verhaltensweisen verbunden:
  • Geringe Frustrationstoleranz
  • Geringes Selbstvertrauen
  • Mangelhaftes Selbstwertgefühl
  • Schüchternheit
  • Kontaktschwierigkeiten
  • Neigung zu Rückzug
  • Reizbarkeit
  • Emotionale Unreife
  • Geringe Motivation für Schule/Arbeit

Quelle: Paul Madaule (2002). Die Kunst zu hören. Zürich: Pendo - Verlag.

Sie können mehrere Fragen mit „ja“ beantworten? Dann vereinbaren Sie mit uns einen Termin für ein unverbindliches Beratungsgespräch. Denn: Eine Vielzahl der angeführten Symptome lässt sich auf nicht vollständig automatisierte Low-Level-Funktionen zurückführen.

Literaturnachweis

  • Borg, E. & Counter, S.A. (1989). The Middle-Ear Muscles. Scientific American, 261(2), 74–78.
  • MacLean, P. D. (1990). The triune brain in evolution: role in paleocerebral functions. New York: Plenum Press.
  • Meyer, J. (1979). Zur Tonhöhenempfindung bei musikalischen Klängen in Abhängigkeit vom grad der Gehörschulung. Acustica, 42(4), 189–204.
  • Musiek, F.E. & Pinheiro, M.L. (1987). Frequency Patterns in Cochlear, Brainstem, and Cerebral Lesions. Audiology, 26, 79–88.
  • Musiek, F.E. (1994). Frequency (pitch) and duration pattern tests. Journal of the American Academy of Audiology, 5(4), 265–268.
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  • Porges, S.W. (1995). Orienting in a defensive world: Mammalian modifications of our evolutionary heritage. A Polyvagal Theory. Psychophysiology, 32, 301–318.
  • Porges, S.W. (2001). The polyvagal theory: phylogenetic substrates of a social nervous system. International Journal of Psychophysiology, 42, 123–146.
  • Schönweiler, R. & Ptok, M. (2000). Phoniatrie und Pädaudiologie. Hannover: Eigenverlag.
  • Thompson, N.C., Cranford, J.L. & Hoyer, E. (1999). Brief-tone frequency discrimination by children. Journal of Speech, Language and hearing Research, 42 (5), 1061–1068.
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